Breit aus die Flügel beide

Heide – Das Heider Friedhofsangebot ist erweitert worden: Mit dem „Steinflügelgarten“ auf dem Südfriedhof ist ein neues Grabfeld entstanden. Dabei handelt es sich um eine Gemeinschaftsgrabanlage mit der Besonderheit, dass hier in Zukunft auch Erdbestattungen angeboten werden können. Mit einer kleinen Feier wurde die Anlage, die der nordfriesische Künstler Ulrich Lindow künstlerisch gestaltet hat, seiner Bestimmung übergeben.

„Die Gesellschaft hat sich gewandelt“, erklärte Pastorin Astrid Buchin von der Kirchengemeinde St. Jürgen, die Trägerin der Heider Friedhöfe ist. Es sei nicht mehr gegeben, dass Familien über Generationen hinweg an einem Ort blieben, entsprechende generationsübergreifende Familiengrab-Anlagen würden kaum mehr angefragt. Man wolle mit dem neuen Angebot den sich wandelnden Bedürfnissen Rechnung tragen. Friedhofsverwalter Ralph Kruse begann bereits im vergangenen Jahr mit den Planungen für dieses Grabfeld. Der benachbarte „Steinblumen-Garten“, ebenfalls eine Gemeinschaftsgrab-Anlage (jedoch ausschließlich für Urnenbegräbnisse), war an die Grenzen seiner Kapazitäten gekommen.

Der Steinflügel-Garten präsentiert sich eindrucksvoll mit fünf großen, an Flügel erinnernden Steinen. „Flügel sind ein Symbol der Sehnsucht“, sagte Ulrich Lindow, der sich eigens für die Einweihung auf den Weg nach Heide gemacht hatte. „Sie stehen einerseits für Freiheit, andererseits aber auch für Geborgenheit.“ Rund um die Steine befinden sich kleine Beetanlagen, die vom Friedhof gepflegt werden und so bepflanzt sind, dass sich ihr äußeres Erscheinungsbild im Jahreslauf wandelt. In die umliegenden Rasenflächen sind Spruchplatten eingelassen: Es sind Worte, die teils aus dem christlichen, teils aus anderen Kontexten stammen und unterschiedliche Situationen des Trostes und der Trauer aufgreifen. In die Flügel werden – sofern es gewünscht ist – die Namen der Verstorbenen eingetragen. Zweimal im Jahr kommt Ulrich Lindow und meißelt die Daten mit der Hand ein.

Zur Einweihung waren zahlreiche Vertreter der Heider Kirchengemeinden, unter ihnen Sonja Keck, Vorsitzende des Kirchengemeinderats St. Jürgen, sowie einige Angehörige gekommen. Der Heider Posaunenchor unter Leitung von Gunda Köster sorgte für den musikalischen Rahmen. „Wir bitten um Gottes Segen für den Steinflügelgarten“, sagte Astrid Buchin in ihrer Andacht. „ Wir wünschen uns, dass dieser Ort eine Ahnung von Nachhause-Kommen vermittelt.“

Breit aus die Flügel beide,
O Jesu, meine Freude,
Und nimm dein Küklein ein!
Will Satan mich verschlingen,
So lass die Englein singen:
Dies Kind soll unverletzet sein.
(Evangelisches Gesangbuch 477, 8)

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