Aktuelles: Nistkästen für den Südfriedhof

Heide – Die Krokusse blühen, Heidekraut leuchtet in der Frühlingssonne, Stiefmütterchen blinken bunt von allen Seiten. Ein Hase hoppelt gemächlich seines Weges, Frau Eichhörnchen erkundet nach langem Winterschlaf ihre Möglichkeiten. Und da: Eine Blaumeise bereitet ihr Nest. Den Schnabel hat sie voller Moos und kleiner Wurzeln, die stopft sie in den Nistkasten hinein, der erst seit kurzem an der Birke hängt. Dann verschwindet sie kurz darin, und schon ist sie auch wieder unterwegs.
Stefan Heuseler und Ralph Kruse stehen und staunen. 26 Nistkästen haben sie Anfang Februar auf dem Südfriedhof platziert, dies ist der erste, den sie bewohnt finden.

„Wir hoffen, dass die Friedhofsbesucher gut davon haben“, sagt Stefan Heuseler. Der 43-Jährige ist angestellt bei der Stadtverwaltung, aber in seiner Freizeit engagiert er sich für den Naturschutz im Allgemeinen und für den NABU im Besonderen. Von ihm kam die Idee, und den Großteil der Arbeit übernimmt er auch. „Meine Eltern sind hier beide begraben“, erzählt er. Die vielen Bäume auf dem Friedhof hatten ihn auf den Gedanken gebracht, hier Nistkästen anzubringen, und Ralph Kruse, Leiter der Friedhofsverwaltung und selbst engagierter Naturfreund, war sofort begeistert. Die Beiden erwarten nunmehr Rotkehlchen und Meisen, Zaunkönige, Stare und verschiedene Schnepperarten. „Gerade die Höhlenbrüter haben Probleme, geeignete Nistplätze zu finden“, erklärt Heuseler. Übertriebene Baumpflege hat zur Folge, dass es in Birken, Linden und Eichen kaum mehr natürliche Löcher gibt, in denen die Tiere sich und ihre Brut geschützt wissen. „Nistkästen bieten da einen geeigneten Ersatz“, so Stefan Heuseler, „und jeder, der noch etwas für unsere gefiederten Freunde tun möchte, sollte sich sputen und noch schnell Kästen aufhängen. Meise und Co. sind allerorts auf Wohnungssuche und werden Nisthilfen noch dankbar annehmen.“

Dass Friedhöfe gute Möglichkeiten für eine außergewöhnliche Artenvielfalt bieten, ist bekannt. Da gibt es Bäume Sträucher, Kulturpflanzen, viel Ruhe und Menschen, die sich respektvoll bewegen. Der Südfriedhof hat seit dem Sommer 2010 sogar eine Wildblumenwiese. „Wir haben ein 3000 Quadratmeter großes Stück mit heimischem Saatgut angesät“, erzählt Ralph Kruse. Die lockt Insekten aller Art an – Nahrung für die Singvögel, die ihre Küken in den neuen Nistkästen aufziehen.

Heuseler übernimmt auch die Pflege: Im Spätherbst sieht er die Nistkästen durch und reinigt sie. Dann kann er erkennen, welcher Vogel wo gebrütet hat. Ob die Aktion ein Erfolg war, wird er erst dann mit Gewissheit sagen können, aber die kleine Blaumeise macht ihm Mut, er ist mehr als zuversichtlich. Die Kosten von etwa 420 Euro übrigens teilen sich der Friedhof und Stefan Heuseler je zur Hälfte. „Ich finde, das ist ein großartiges Engagement“, sagt Ralph Kruse.

Übrigens: Auch auf dem Heider Nordfriedhof sind noch Bäume für Nistkästen frei. „Ich würde mich freuen, wenn sich auch hier engagierte Bürgerinnen und Bürger finden ließen, die diese Aktion unterstützen wollen“, so Kruse.

Die fleißige Blaumeise hat die Chance genutzt und sich als eine der ersten einen der aus Holzbeton gefertigten Nistplätze ergattert. Über ihrem Einstiegsloch ist ein kleines Dach. Das ist gut, denn das macht es den vom Winter hungrigen Eichhörnchen, Madern und Rabenvögeln unmöglich, die Eier und Jungvögel zu rauben. „Leben und Tod liegen so nah beieinander“, sagt Stefan Heuseler nachdenklich, während er dem kleinen Vogel bei seiner Arbeit zusieht. „Das hätte meiner Mutter gefallen. Sie liebte die Natur.“

Eine Reaktion zu “Aktuelles: Nistkästen für den Südfriedhof”

  1. Mr WordPressam 11. Oktober 2011 um 6:29 Uhr

    Hallo, das hier ist ein Kommentar.
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